Sortenerhalt und -vielfalt

Service-Entwicklung

AUSGANGSLAGE

Für den Streuobstbau sind verschiedene Sorten-Empfehlungslisten im Umlauf (hier folgt demnächst ein Link zu einer Übersicht). Die Listen sind für Planende eine gern beanspruchte Orientierungshilfe bei der Anlage neuer und ergänzender Pflanzungen. Planungsbüros, Sachbearbeitende in den Agrar- und Naturschutzbehörden, Landwirte, Vereine und viele andere mehr greifen darauf zurück. Wahrscheinlich tausende neue Bäume werden jährlich in Rheinland-Pfalz anhand dieser Listen ausgewählt und die Sorten vermeintlich gepflanzt.

Laut Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt des Pomologen-Vereins e. V. ist die Sortenvielfalt in den Neubeständen weiter rückläufig. Sogar die Sortenechtheit ist oft nicht gewährleistet. Die Gründe sind vielerlei. Ohne tiefgreifende Änderungen ist damit zu rechnen, dass die Obstsortenvielfalt in der Landschaft in den nächsten 10 – 30 Jahren bis auf wenige Reste verschwunden sein wird.

  • Planende (Planungsbüros, öffentliche Verwaltungen, Vereine, Privatpersonen uvm.)
  • Beratende und Genehmigende (Agrar- und Umweltverwaltung, sonstige Institutionen)
  • Baumschulen und andere Vermehrende
  • Erhaltende der Sortenvielfalt (Private Sammlungen, Reisermuttergärten, sonstige Institutionen)

Außerdem

  • Streuobst-Verantwortliche (Pächter wie Eigentümer)
  • Verwertungskonzepte und Nutzungsfreude
  • Widerstandsfähigkeit bzw. Anpassungsfähigkeit der Bestände an Standort
  • Langlebigkeit der Bestände
  • Natur, Landschaft und Gesellschaft

Ohne Änderungen steht den anhaltend großen (finanziellen) Aufwendungen der vielen Betroffenen bei Planung, Pflanzung und Pflege weiterhin der anhaltende Sorten- und Bestandsschwund gegenüber.

Wir wünschen uns Erfolg für alle Betroffene. Dafür braucht jede*r mehr Planungssicherheit und Klarheit bezüglich

  • Sortenverfügbarkeit,
  • Sorteneigenschaften und
  • Chancen und Risiken beim Baumerwerb

Unsere Ziele sind nachweislich

  • bessere Sortenverfügbarkeit (Kopplung ausgewählter Empfehlungen an Verfügbarkeit),
  • mehr Sortenerhalt in der Fläche (Register von Sorten-Standorten),
  • mehr Sortenvielfalt in der Fläche (Register ergänzt um sortenechte Neupflanzungen),
  • mehr auf Echtheit geprüfte Sorten (mehr Prüfungsverfahren)
  • mehr Sortenwissen (mehr aktuelle Studien)
  • sowie die Fortführung der bestehenden Sorten-Empfehlungslisten

LÖSUNGSANSÄTZE

Angedacht ist, mehrere Projekte zu starten, die zu einem großen Ganzen zusammenwirken.

Im Mittelpunkt stünde ein Modell-Projekt, worüber die Betroffenen gemeinsam die Planung und Anlage von Streuobstbeständen ausführen. Dabei sollen die angedachten Lösungsansätze getestet und optimiert werden. Angedacht ist, über „Aktion Grün“ einen Antrag zu stellen. Für die begleitenden Projekte sind bislang kaum Fördermöglichkeiten besprochen worden.

Bessere Sortenverfügbarkeit

Über den geführten Austausch der Betroffenen sollen zusätzlich zu den herkömmlichen Sorten-Empfehlungslisten Medien geschaffen werden, welche Planende und Baumkäufer sicher(er) zu ihrer gewünschten Sorte und ihrem Anbieter führen.

Angedacht ist eine jährlich zu erneuernde Liste mit verfügbaren Sorten in den Baumschulen und bei den Erhaltern.
Diese Liste kann kostenlos bzw. für professionelle Nutzer gegen Gebühr bei der IG Streuobst RLP abgefragt werden. Mit dem Erlös soll wiederum die jährliche Neu-Entwicklung der Zusatz-Liste finanziert werden.

Herausforderung ist, den Aufwand für diese Zusatz-Liste für die Beteiligten gering zu halten und dennoch einen großen Nutzen für Planende und Einkäufer zu erzielen – so groß, dass dieser z. T. kostenpflichtige Service gerne und oft genutzt wird.

Mehr Sortenerhalt in der Fläche

In neuen Kooperationen sollen Sorten aus der Zusatz-Liste gezielt auf Ausgleichsflächen gebracht werden. Angeregt wurde die Verbreitung jener Sorten über Ersatzmaßnahmen im Rahmen der Landeskompensationsverordnung. Die Sorten-Standorte sollten in einem Register gespeichert werden z. B. im Biodiversitäts-Register beim DLR. In künftigen Notfällen könnten womöglich auch von diesen Bäumen Reiser bezogen werden., um Sorten zu retten.

Mehr Sortenvielfalt in der Fläche

Mit den Zusatz-Listen sollen die Baumschulen mehr Planungssicherheit bei bislang nicht gängigen bzw. unbekannten Sorten erhalten. Die wirtschaftlichen Risiken sollen sich für die Betriebe senken, damit sie weiterhin Sortenvielfalt und Obsthochstämme anbieten können. Auch soll dem Wunsch nach Eigenveredlungen über Kurs-Angeboten entsprochen werden.

Mehr auf Echtheit geprüfte Sorten

Hier ist angedacht, die Prüfung von ausgewählten Sorten über öffentliche Crowdfundings zu fördern. Dieser spannende Prozess könnte in der Öffentlichkeit verfolgbar werden und für Lokal- und Regionalsorten sensibilisieren und engagierte Baumschulen, Erhalter und  Vereine ins Rampenlicht rücken.

Mehr Sortenwissen

Der Text wird demnächst ergänzt.

Fortführung der bestehenden Sorten-Empfehlungslisten

Die bisherigen Sorten-Empfehlungslisten sollten unbedingt fortgeführt werden. Sie zeigen das ganze Spektrum auf und sind wesentliche Grundlage für die Auswahlen der angedachten Zusatz-Listen.

Das Modell-Projekt sollte bereits 2020 auf den Weg gebracht werden, die angegliederten Projekte zeitnah daran angekoppelt.

Der Text wird demnächst erstellt.

Sende uns Deine Kritiken, Fragen und Ideen

Wie sollen wir jährlich eine Liste mit verfügbaren Sorten und Bäumen erstellen? Dazu ist doch keine Zeit! Und das ändert sich ständig!

Welche Sorten empfehlen Sie? Ist unsere Auswahl in Ordnung? Wo gibt es die Sorten zu kaufen?

Die Sorten aus der Empfehlungsliste sind ja gar nicht in den Baumschulen zu bekommen!

Wenn wir ausgewählte Sorten gezielt auf Ausgleichsflächen verbreiten könnten und ihre Standorte dokumentieren könnten, wäre das für den Sortenerhalt ein möglicher Zugewinn.

Wir können unmöglich immer alle Sorten vorrätig haben. Je mehr Vorlaufzeit wir haben, desto eher können wir Sonderwünsche erfüllen. Wir beraten auch zur Selbstveredlung.

Die Prüfung der Sortenechtheit ist sehr aufwändig. Einiges kommt falsch in den Umlauf.

Die Angaben zu den Sorteneigenschaften stammen zum Teil aus alten Büchern oder beruhen auf Aussagen von wenigen Personen. Wir brauchen mehr aktuelle, wissenschaftlich fundierte Daten für eine zukunftsgewandte Beratung.