Streuobst-Koordination-Team

Struktur-Aufbau

AUSGANGSLAGE

Wer sich im Streuobstbau in irgendeiner Form einbringt, eignet sich über kurz oder lang Spezialwissen und Fertigkeiten aus unterschiedlichen Fachgebieten an (Pflanzenbau, Ökologie, Lebensmittelverarbeitung und – recht, Marketing, Imkerei, …). Je nachdem, welche Herausforderung ansteht, sucht man sich Personen und Technik zur Unterstützung oder erweitert sein Wissen durch Austausch, Beratung und Medien.

Streuobst-Aktive und -Interessierte stehen also selten alleine da, sie stehen in einem lokalen bis überregionalen Netzwerk mit Infrastruktur, sie betreiben Arbeitsteilung und bilden Teams.

Beispiel: Der Baum stammte einst aus der Baumschule, die Wiesenpflege wurde an einen Schäfer abgegeben, den ersten Schnitt nimmt jedoch ein Landwirt, die Baumpflege übernehmen die erwachsenen Kinder, das Schneiden erlernten sie im Kurs von einem Baumwart, den Aufbau einer Benjeshecke aus einem Online-Video eines Vereins, die Apfellese gestalten die Großeltern mit ihren Enkeln, das Versaften erledigt die Kelterei, das Rezept vom leckeren Birnenauflauf stammt von den Nachbarn. Und fällt an einer Stelle jemand aus, ist das Dank Mehrfachbesetzung sowie technischen wie digitalen Alternativen kein Problem. Die Kooperation bringt den Einzelnen Nutzen, die Mühen werden zur Nebensache.

Hinter jedem intakten Streuobstbestand im Land steckt ein Streuobst-Koordination-Team. Sie bringen die diversen ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte am besten und anhaltend  in Einklang.

Umgekehrt bedeutet das: Hinter jedem brachgefallenem Bestand steht kein Team mehr, sondern im besten Falle Einzelkämpfer auf einsamen (Arbeits-) Posten. Noch deutlicher wird es in der Landschaft sichtbar, wenn die regionalen Streuobst-Netzwerke und -Infrastrukturen schrumpfen. Können die Lücken nicht adäquat geschlossen werden, verlieren Arbeiten vor Ort und selbst motivierte Teams schnell ihren Sinn und Nutzen. Ohne Nutzen – kein Mensch – kein Streuobstbau. Diese Entwicklungen spiegeln sich in diversen Statistiken wider.

Laut dem Bundesamt für Naturschutz hat sich die Lage der Streuobstwiesen weiter verschlechtert (Quelle: BfN (2017): Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands, 3. fortgeschriebene Fassung). Eine im Jahr 2019 veröffentlichte Erhebung des Landes Baden-Württemberg benennt den jährlich durchschnittlichen Schwund mit 100.000 Bäumen (Quelle: Newsletter 01/2020, Hochstamm Deutschland e. V.-) . Die Gründe für den anhaltenden Rückgang sind vielerlei. Ohne tiefgreifende Änderungen vermuten Streuobst-Akteure selbst in Rheinland-Pfalz, dass sich Landstriche leeren – wissenschaftliche Belege fehlen.

Betroffen sind sämtliche Streuobst-Aktive und -Interessierte im Ehrenamt, in der Freizeit und im Beruf.

Jeder Verein, jedes Unternehmen, jede Behörde, jede andere Institution und Privatperson, welche sich in irgendeiner Form mit Streuobstbau und -beständen auseinandersetzt oder beschäftigt, ist auf ein funktionierendes Team angewiesen.

Ihr Handeln betrifft wiederum

  • Umweltressourcen wie Luft-, Boden-, Wasserhaushalt, Biodiversität sowie
  • Nahrungssicherheit und Gesundheit, Erholung
  • Klima und Klimaanpassung
  • Orts- und Landschaftsbild sowie
  • soziales Miteinander, regionale Identität, Kultur und Umweltverständnis.

Weil die Kapazitäten in lokalen bis überregionalen Streuobst-Netzwerken und -Infrastrukturen schrumpfen, erschweren sich zunehmend vor Ort die Arbeiten in Streuobstbeständen oder verlieren ganz ihren Sinn und Nutzen (z. B. Mostapfelernte ohne Kelterei). Das wiederum hat negativen Einfluss auf die regionale Natur, Kultur und Gesellschaft und Ökonomie.

Mit neuen Ansätzen und Strukturen soll dem Kapazitätsschwund auf allen Ebenen entgegengewirkt werden.

Streuobst-Koordination-Teams sind das Erfolgsrezept für intakte Streuobstbestände vor Ort und für intakte Streuobst-Landschaften in der Region und darüber hinaus. Auch die IG Streuobst RLP als überregionales Bündnis entwickelte über Jahre ein ehrenamtlich aktives Streuobst-Koordination-Team. Es ist jedoch wie vielerorts auch überlastet und durch Ausfälle instabil.

Unsere Ziele sind nachweislich

  • ein leistungsstarkes, dauerhaft stabiles, überregionales Streuobst-Koordination-Team zu schaffen.
  • für personelle Arbeitsentlastung bis in die örtlichen Teams zu sorgen
  • aktiv im Land die Kapazitäten und Strukturen auszubauen und die Wertschöpfung zu steigern.

Konzeption der IG Streuobst RLP nach Herbert Ritthaler 2012

LÖSUNGSANSÄTZE

Auskünfte erteilen, Hilfestellungen leisten

Das Streuobst-Koordination-Team der IG Streuobst RLP ist zentrale Anlaufstelle für Jedermann. Die Team-Mitglieder geben Anfragenden Beratung und verweisen auf unterstützende Akteure vor Ort.

Austausch in Netzwerken

Das Team führt und koordiniert jeglichen notwendigen Austausch in den Netzwerken der IG Streuobst RLP, um aktuelle Auskünfte und Hilfestellungen leisten zu können. Rückmeldungen aller Art werden aufgearbeitet

  • zum Ausbau des Netzwerks um weitere Kontakte
  • zur Ermittlung von Trends bzw. Brennpunkten.

Aufarbeiten von Trends bzw. Brennpunkten

Durch die Rückmeldungen aus Beratungsgesprächen und mit Akteuren im Netzwerk erkennt das Team Trends bzw. Brennpunkte, welche sie im Team und in den Netzwerken der IG Streuobst RLP aufarbeiten können

  • Monatliche Beratung im Team zur Vorbereitung des Rundbriefs
  • Aufruf zum Einrichten von Entwickler-Teams

Aktualisieren der Datenlagen

Um den Austausch im Netzwerk gewährleisten zu können, kümmert sich das Team um eine aktuelle Datenlagen, um Datenschutz und geeignete Technik.

  • Neue Kontakte aus Beratungen und der Öffentlichkeitsarbeit werden aufgenommen.
  • Einmal jährlich wird die Datenlage des Branchenbuchs geprüft.
  • Der Verteiler des Rundbriefs wird permanent aktuell gehalten.
  • Zweimal jährlich werden die Printmedien der Infothek aktualisiert.
  • Aufbau und Unterhaltung digitaler Kommunikations- und Datentechniken für Teams.
  • Datenschutzrechtliche Prüfung und Sicherung aller Daten

Optimierungen von Arbeitsabläufen

Das Team nutzt seine Kenntnisse, um aktiv die Wertschöpfung im Streuobstbau durch Optimierungen auf allen Ebenen weiter zu steigern bzw. strukturelle Lücken zu schließen.

  • Zur Bearbeitung von Lücken und Trends werden Entwickler-Teams initiiert.
  • Das Team führt die Entwickler-Teams und berichtet der Öffentlichkeit.
  • Unterstützung bei der Formulierung von Projektanträgen für Modellprojekte
  • Unterstützung bei Crowdfundings für bestehende und neue Strukturen.

Aufmerksamkeit und Reichweite

Als netzwerkübergreifendes Sprachrohr verhilft das Team Anliegen zu mehr Aufmerksamkeit und mehr Gewicht bei ihren Adressaten.

  • Soziale Medien sollen ausgebaut und für Kampagnen und alle Mitteilungen genutzt werden.
  • Die neue Webseite soll inhaltlich und funktional weiter ausgebaut werden.
  • Ein gemeinsam erstelltes Faltblatt verweist auf unsere Medien und unser Netzwerk.
  • Erklär-Videos und Bild-Datenbanken sollen aufgebaut werden.
  • Die Infothek soll stärker beworben werden.
  • Der monatliche Rundbrief soll inhaltlich optimiert und die Redaktion gestärkt werden.
  • Das Netzwerk zu Journalisten soll ausgebaut werden und saisonal Beiträge gestreut werden.
  • Über alle Medienkanäle sollen neue Kontakte für die IG Streuobst RLP erschlossen werden.
  • Fach-Tagungen, Vorträge, und öffentlichkeitswirksame Events sollen stattfinden.
  • Petitionen, öffentliche Aufrufe sollen begleitet werden.
  • Alles Feedbacks dienen dem Erkennen von Trends und Brennpunkten.

Eigenerhalt des Teams dauerhaft sichern

Das Team generiert Gelder für seine Entlohnung. Es kümmert sich selbst um alle benötigten Ressourcen für seine eigene Fortentwicklung und seinen dauerhaften Erhalt. Beigeordnete Entwickler-Teams sollen nach Möglichkeit ebenso bezahlt werden oder durch das IG Streuobst-Team derart unterstützt werden, dass die ehrenamtliche Zuarbeit erträglich ist. Die breite Personal-Ausstattung soll bei Ausfällen ein schnelles Nachrücken oder Einspringen ermöglichen.

  • Das Team finanziert sich durch entgoltene ausgewählte Services und Spenden.
  • Entwickler-Teams berücksichtigen beim Strukturaufbau dessen dauerhaften Selbsterhalt.

Bis Ende 2020 soll ein Projektantrag zur Startfinanzierung des Streuobst-Koordination-Teams erstellt werden und beim Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz eingereicht werden. Die Projektlaufzeit soll 3 Jahre betragen und den Weg für ein dauerhaftes hauptamtlich tätiges Streuobst-Koordination-Team ebnen.

Zum Einstieg sind 1,5 Stellen über 3 Jahre zu finanzieren. Die Stellen sind mindestens an drei Personen vergeben, welches im Beschäftigungsverhältnis beim Pomologen-Verein e. V. stehen. Nach 3 Jahren finanzieren sich die 1,5 Stellen über entgeltliche Angebote selbst.

  • Digitaltechnik, Datentausch und Datenschutz
    (Branchenbuch, Verteiler, Infothek, Medien-Datenbank/Fachbeiträge, Videos, Bilder, technische Beratung und Betreuung/Webseite, Streuobst-Börse, Sortendatenbank, Kommunikations- und Datentausch-Technik für Entwickler-Teams, …)
  • Beratung und Medien-Kommunikation
    (Soziale Medien & Webseite & Rundbrief/Terminkalender/Berichte aus den Entwickler-Teams, Fachbeiträge, Vorträge, Tagungen, Videos, Printmedien, Streuobst-Börse, Rezepte, Kampagnen/öffentliche Aufrufe, Petitionen, …)
  • Finanzen, Marketing und Entwicklung
    (Statistik/Analysen, Führung von Entwickler-Teams, Beihilfe zu Modell-Projektanträgen, initiieren von Crowdfundings, Fundraisings und entgeltlichen Angeboten, initiieren von Lobbyarbeit)

Sende uns Deine Kritiken, Fragen und Ideen

Die IG-Streuobst-Webseite steht bei Google ganz oben und ich finde sie toll und sehr wichtig. Leider sind mehrere Seiten nicht anwählbar und manche Links ohne Ergebnis. Da muss sich was tun!

Ich habe schon so viele versucht zu erreichen. Man erhält keinen Rückruf und keine Auskunft. Sie sind die Ersten, die mir helfen.

Wir haben mehr Vereins-Mitglieder als alle örtlichen Parteien im Ort zusammen, aber im Herbst stehe ich nahezu alleine auf unseren Obstwiesen! Die Arbeit schaffe ich nicht auf Dauer!

Zum einen stehen viele Obstbäume ungenutzt in der Landschaft herum, zum anderen sind da Bürger, die gerne etwas für die Bäume tun wollen und sie beernten möchten. Das passt alles nicht zusammen, da muss sich was ändern!

Die Finanzierung unseres angestrebten LEADER-Projekts ist vertagt. Die nötigen Investitionen, um den Service für unprofessionelle Obst-Lieferanten aufrechtzuerhalten, kann unser Betrieb nicht leisten. Um kostendeckend arbeiten zu können, müssten wir viele Vereine, Kindergärten und kleine Obststückbesitzer zukünftig abweisen. Ist klar, was das für die Obstwiesen bedeutet …

Wir haben im Betrieb kaum noch Zeit, die eigentliche Arbeit zu leisten. Die Bürokratie hält uns auf. Die Qualifikation des Personals verschiebt sich und die Beratung kommt immer kürzer. Merkblätter und Infoschritten kämen uns gelegen, die wir unserer Kundschaft mit auf den Weg geben könnten. 

Wir möchten bei einer Baumpflanzaktion mit unseren Bürgern Streuobstbäume fördern. Gerne möchten wir regionale Obstsorten vergeben, aber welche Baumschule bietet sie an? Und die pflanzenbauliche Beratung können wir personell nicht stemmen. Wohin können sich die Bürger*innen noch wenden?